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Über diesen Film

Ein Kurzfilm über das Aussterben der Liebe zum Analogen und den Konflikt der digitalen Welt der heutigen Zeit, eine Elaboration der Bedeutsamkeit der einfachen Dinge im Leben, der Tradition und Ehrlichkeit, ein audiovisuelles Porträt des wahrscheinlich letzten Kupferdrucker Europas: Wolfgang Schön.

Wolfgang Schöns Kunstanstalt für „feine Drucksorten im Kupferstichverfahren“ befindet sich im Mezzanin des Hauses Naglergasse 4 im Herzen Wiens. Über eine schmale Treppe steigt man zu der Werkstatt hoch. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.

1922 von seinem Großonkel gegründet, hat Meister Schön bis heute nichts in der Werkstatt verändert, er hat nicht ausgemalt und keinen Internetzugang geschaffen. Fast glaubt man, in einem anderen Jahrhundert zu sein, wenn das Hufgetrappel der Fiakerpferde das leise Kratzen des Stichels auf dem Metall unterbricht. An seinen alten Druckerpressen fertigt er noch immer händisch jeden einzelnen Druck. Für 100 Visitenkarten braucht er, bei drei Zeilen Text, einen halben Tag. Wenn man dann vorsichtig mit dem Finger über das Druckwerk streicht, spürt man die Erhabenheit an der Oberfläche, während die Rückseite glatt bleibt.

In großen, dicken Mappen werden die Belegexemplare der Kunden sorgsam gehütet und auch gerne vorgezeigt. Schillernde Namen, Künstler, Hochadel, Politiker wie Bruno Kreisky, Herbert von Karajan, Oscar Strauss und Romy Schneider. Wolfgang Schön strahlt jene Ruhe und Zufriedenheit aus, die heute nur mehr wenigen gegeben ist.

Unterstützung

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Hintergrund

(Sebastian Gansrigler) In meiner 3,5 Jahre langen Lehrzeit zum Medienfachmann habe ich die Berufsschule für Chemie, Grafik und Gestaltung in Wien besucht. Wie ich ganz zufällig bei einer Klassenarbeit erfahren habe, besuchte auch Herr Schön diese Schule, vor 40 Jahren. Damals wurde der Kupferdruck aber gar nicht mehr unterrichtet. Ich war fasziniert von seiner Tätigkeit und erschüttert, dass sein Beruf vom Aussterben bedroht ist. Da er weder eine Website, noch digitale Kontakt-Möglichkeiten anbietet, habe ich ihn gleich persönlich in seiner Werkstatt besucht.

Den Verfall alter Berufe kann man wohl kaum verhindern, Neues kommt immer nach, deshalb fühlte ich mich besonders gegenüber meiner Berufung verpflichtet die Kunst des Kupferdruckens in einem zeitbasierten, audiovisuellen Medium einzufangen. Die Kombination, Integration und ein harmonisches Zusammenspiel von alt und neu in der heutigen Zeit liegt mir besonders am Herzen. Man merkt, dass das Digitale den Wert des Analogen wieder an die Oberfläche bringt.

Zwei Tage lang habe ich Meister Schön bei seiner Arbeit begleiten dürfen, seine Geschichten gehört, seinen Charakter aufgenommen, seine Ausstrahlung aufgesaugt. Dieser Kurzfilm ist das Resultat davon.

Fotografien

Credits

Details

  • Titel: Wolfgang Schön - Der letzte Kupferdrucker
  • Produktion: Jänner - März 2015
  • Fertigstellung: Mai 2015
  • Laufzeit: 5 Minuten, 50 Sekunden
  • Sprache: Deutsch
  • Bild: 2.35:1 (cinemascope)
  • Farbe: schwarz-weiß

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Gut Ding braucht Weile